FÄHRTENARBEIT UND PRÜFUNGEN MIT FRIEDA UND ANNI

Liebe Border Terrieri FreundInnen,

Anfang des Jahres 2011 konnten Sie in "Der Terrier" über meine ganz persönlichen Eindrücke von der Klub-Fährtenhund-Siegerprüfung (KFSP) lesen, vielleicht auch ein wenig schmunzeln. Aber wie viel Arbeit hinter der Ausbildung eines Hundes bis hin zu dieser Leistung steht, das konnten Sie meinen Zeilen vielleicht nicht entnehmen. Es war und ist auch nicht mein Anliegen, hier nun über die Mühen der Ausbildung des Hundes bis zum Fährtenhund zu stöhnen, nein, ich möchte Ihnen vielmehr über die Freude, die eine solche Ausbildung bringen kann, berichten, sei es nun die Ausbildung zum Sport-, Jagd- oder Fährtenhund.

Mein Anliegen, meine Hunde möglichst artgerecht zu beschäftigen, setzte ich - in meinem Falle auch für mich "altersgerecht" - dahingehend um, indem ich mit beiden Hunden die Fährtenarbeit trainierte. Dies ist nicht nur eine äußerst ruhige und gesunde Beschäftigung, da bei Wind und Wetter ausführbar, es kann gelegentlich auch in einen recht anstrengenden sportlichen Einsatz ausarten, weil in einem schweren Boden die später abzuszchenden Fährten manchmal nur mit Mühe zu treten sind. - Positiber Effekt dieser sportlichen Betätigung: Erkältungen haben mich in den letzten Jahren so gut wir gar nicht geplagt.

In Fortsetzung meines ersten Berichtes über meine Anfänge in der Fährtenarbeit im Jahrbuch 2009 möchte ich Ihnen heute nun meine Gedanken und einen kleinen Überblick über unser Training und diverse Prüfungen aus dem abgelaufenen Jahr geben.

Nachdem sich meine Anni recht erfolgreich in ersten Prüfungen der Stufe FH2 zeigte, - Frieda fährtet nur noch just for fun - holte ich mir bei kompetenten Ausbildern Rat bezüglich eines weiteren Trainings mit Anni, da ich einerseits nun die Teilnahme bei der Klub-Fährtenhunde-Siegerprüfung in Neumünster anstrebte, andererseits den Hund aber auch nicht überfordern wollte. Also begannen wir mit einem moderaten Training von kurzen Fährten maximal zweimal wöchentlich, denn das Leben eines Fährtenhundes und auch seines Besitzers kann nicht nur aus Prüfungen bestehen. Ganz im Gegenteil: das wöchentliche Training dient der Korrektur und Festigung und ist längst nicht so anstrengend für den Hund. Zunächst mussten wir - Anni und ich - uns aber erst einmal für einen Start in Neumünster qualifizieren. Das bedeutete, dass wir auf drei Fährtenhundeprüfungen der Stufe FH2 mindestens 85 Punkte von 100 möglichen Punkten erreichen mussten, mindestens!! Also, auf gings! Die ersten Prüfungen wurden in Angriff genommen und unser Punktekonto konnte sich schon sehen lassen: Anni erreichte im Durchschnitt 90 bis 92 Punkte. Diese Prüfungen in der Leistungsklasse stellen schon eine große Belastung für den Hund dar: Immerhin muss er 1800 bis 2000 Schritt drei Stunden nach dem Legen nachsuchen, darf sich nicht verleiten lassen und soll alle sieben Gegenstände korrekt anzeigen. Er leistet eine konzentrierte Arbeit, die ihm alles abverlangt.

Aber es gibt auch noch Probleme ganz anderer Art: Hier im Ruhrgebiet, wo so viele Hundevereine ansässig sind und natürlich auch viele Hunde in der Fährtenarbeit trainiert werden, ist es für mich äußerst schwierig, ein geeignetes Gelände für das Training zu finden. In aller Regel wird auf blankem Acker, Saatacker, Raps oder Wiese trainiert. Oftmals ist es schon kompliziert genug herauszufinden, wem z.B. ein geeignet erscheinendes Gelände gehört, denn ich kann ja nicht einfach auf ein Feld gehen und trainieren. Habe ich dann den Besitzer ausfindig gemacht, muss ich in vielen Fällen auch noch den Jagdpächter um Genehmigung, den Acker oder das Gelände betreten zu dürfen, bitten. Beim Einholen all dieser Genehmigungen ist häufig sehr, sehr viel Überzeugungsarbeit zu leisten, da erheblich divergierende Interessen so manches Mal hart aufeinander prallen. Ich für meinen Teil habe schon oft daran gedacht, das Handtuch zu werfen und aufzugeben. Durch derartige Hemmnisse wurde und wird mir zeitweise die Fährtenarbeit sehr verleidet. Aber dann denke ich wieder daran, mit wie viel Freude Anni und auch Frieda arbeiten und mache eben doch weiter.

Nachdem wir schließlich in diversen Prüfungen - ich war da schon sehr ehrgeizig, vielleicht auch gelegentlich zu ehrgeizig - unsere Qualifikationen zur Teilnahme an der Klub-Fährtenhunde-Siegerprüfung erlangt hatten, durften wir uns Anfang Oktober zu den 30 glücklichen Teams zählen, die nun endgültig teilnehmen konnten.

Glücklich, gespannt, aber auch mit gehörigem "Grummeln" in der Magengegend fuhr ich mit beiden Hunden - Frieda als moralische Stütze für Anni - gen Norden ins sogenannte Standquartier in Grevenkrug. Für mich als "Neuling der Meute" war es schon toll zu erleben, wie kameradschaftlich, freundlich und hilfsbereit alle miteinander umgingen, wie nett auch ich aufgenommen wurde. Ganz besonders gespannt war ich natürlich auf die anderen vier Border und ihre Besitzer, die ebenfalls auf der KFSP starten sollten. Das waren ja sozusagen alles "alte Hasen" im Fährtenhundesport, die mir vorab schon mal mächtig Respekt einflößten. Nachdem am folgenden Morgen die Fährten durch Los verteilt waren - ich durfte erst am nächsten Tag starten - fuhren wir alle ins Gelände, um den ersten 17 Teams bei ihrer Arbeit zuzuschauen und von ihnen zu lernen. Ute Fallscheer mit Zick Zack Felix und Brigitte Wölfinger mit Google vom Daubertshof zeigten uns neben vielen anderen Airedale Teams eine tolle Fährtenarbeit. Beide starteten aufgrund ihrer hohen Punktzahl zusätzlich im Bundesausscheid, d.h. sie mussten am zweiten Tag nochmals eine Fährte mit ebenfalls qualifizierten Airedale Teams absolvieren. Auf diese Weise wurden die beiden besten Fährtenhunde - Teams ermittelt, die den Klub für Terrier 2012 bei der Deutschen Meisterschaft des VDH vertretem dürfen. Und ein Border ist dabei!! Zick Zack Felix schaffte die Qualifikation. Ihm wird gemeinsam mit einem Airedale Terrier die ehrenvolle Aufgabe zuteil, für den KfT bei der Deutschen Meisterschaft der Fährtenhunde antreten zu dürfen. Herzlichen Glückwunsch!!

Am zweiten Tag kam dann endlich auch unser Auftritt. Ich muss ja nicht erwähnen, dass ich unglaublich aufgeregt war. Würden wir die Fährte schaffen? Meine Devise war zunächst einmal: durchkommen. Und was soll ich sagen? Nachdem ich Anni mit einer Frikadelle vor der Prüfung bestochen und ihr allerlei ins Ohr geflüstert hatte, suchte sie wie von einer Schnur gezogen, ihre Fährte ab, so gut, wie sie es im Training nie gezeigt hatte. Ich war erleichtert und überglücklich zugleich. Nach der tollen Leistung gabs natürlich nochmal eine Frikadelle. Zusammenfassend kann ich stolz berichten: Wir sind nicht nur "angekommen", nein, wir belegten einen achtbaren 8. Platz von 30 Startern!

Ganz besonders herausstellen möchte ich, das insgesamt tolle Abschneiden der Border Terrier auf dieser KFSP:

Von den insgesamt 30 gestarteten Hunden - 25 Airedale, und fünf Border Terrier - konnten sich immerhin drei Border Terrier unter den 10 Besten platzieren. Eine Superleistung, die diese kleinen Kobolde zeigten und so manchen Zuschauer in Erstaunen versetzten.

Herzlichen Glückwunsch allen gestarteten Border Teams: Ute Fallscheer mit Zick Zack Felix, Brigitte Wölfinger mit Google vom Daubertshof, dem Ehepaar Müller mit Marlepartus Trollo Trotzig und Borderhouse Yama. Ihr habt euch toll geschlagen und die Fährtenhundesportler aufhorchen lassen!

Ich hoffe sehr, dass wir zukünftig noch mehr von diesen tollen Border Terriern auf Fährtenhundeprüfungen sehen werden und wünsche uns allen für 2012 viel Erfolg.

 

Annette Franz