Keeper oder Der Border Terrier im Alter

Liebe Freunde der Rasse Border Terrier,

ich möchte Ihnen über meine Erfahrungen mit dem alternden Border Terrier berichten und bitte an dieser Stelle gleich um Nachsicht, da es mein erster Border ist, dessen Leben & Altersprobleme ich kennengelernt habe.

Vorab der Steckbrief:

Millstream Gamekeeper *14.04.1998 - genannt Keeper

Dt. Champion VDH & KfT, Dt. Veteranen Champion VDH & KfT

Vize-Veteranen Champ. World Dog Show Dänemark 2010

Ausgebildeter Therapiebegleithund bei künstlich beatmeten Patienten

Vater: HjelmeQuotable

Mutter: Millstream Amber Annie

Züchter: Klaus Krüger, Wiehl Neuklef

Keeper beim BTT 2012

Zu den Championaten sei angemerkt, dass er diese in seinem 9. bis 12. Lebensjahr (inkl. einem BOB mit 9,5 Jahren) erreicht hat. Damit beweist sich, dass ein Border auch im höheren Alter noch seinem Rassestandard entsprechen kann.

Keeper lebte bis zu seinem 12,5 Lebensjahr mit unserem Otterburns Billy the Kid (Border Terrier) zusammen, der leider mit 13 Jahren aufgrund einer schweren Bauchspeicheldrüsenerkrankung eingeschläfert werden musste. Billy & Keeper waren eine eingespieltes Team, das sich durch die sehr unterschiedlichen Temperamente und Charaktere sehr gut ergänzte. Da wir die Beiden bei Züchtern im Rudel gesehen haben, war für uns nach kurzer Zeit auch klar, dass ein Border nicht allein sein sollte - er ist ein Rudel-Hund und auch 2 Border sind super zu handeln!

Wir haben in den Anfangsjahren so gut wie keine Erkrankungen oder schwere Verletzungen bei Keeper zu beklagen. Mit 5 Jahren rutschte er in einen vereisten See und wurde von unserer Tochter gerettet. Mit 12 Jahren fiel er in einen 3 m tiefen Kellerschacht und überstand diesen Sturz ausschließlich mit Prellungen. Ab da wurde er etwas " behäbiger", hatte Schmerzen beim Aufstehen und fing an wie ein Hund mit Arthrose zu laufen - leicht staksiger Gang und beginnende Versteifung im Nacken und Rücken. Um die Bewegung weiterhin zu gewährleisten, da er ja auch laufen wollte, bekam er ein Schmerzmittel (Rimadyl) als ständige morgendliche Gabe. Das hat zur Folge, dass wir alle 1/2 Jahre die Leberwerte kontrollieren. Bisher ohne gravierende Veränderungen.

Daraufhin haben wir uns um eine Physiotherapie für Hunde gekümmert und Keeper ist mit Freuden dabei! Es gibt regelmäßiges Hürdenlaufen, Gangkontrolle und Übungen, um den Nacken flexibel  zu halten. Unter anderem wird ein Laufband benutzt, das auch Steigungen simulieren kann und man so die Grenzen des alternden Hundes festellen kann. Im Anschluss gibt es durchblutungsfördernde Massagen, die ihm natürlich sehr gut gefallen. Er geht mit Freude 1 x die Woche zu seiner Therapeutin!

Mit 12 1/2 Jahren fingen plötzlich die Augen an zu tränen. Die Diagnose der Fachaugenärztin lautete: Allergie gegen die Futtermilbe, Hausstaubmilbe, diverse Gräser und Pollen. Aufgrund seiner guten Fitness riet sie uns, doch eine Desensibilisierung durchzuführen - einmal eine spezielle Spritze alle 2 Wochen subcutan (unter die Haut). Um die Augen nicht austrocknen zu lassen - was bei alternden Hunden nicht atypisch ist - bekommt Keeper regelmäßig Hyaback Tropfen 2 x tgl. geträufelt/oder Corneregel Trpf. Bei der letzten jährlichen Kontrolle in diesem Jahr (Keeper wird 15 Jahre alt) stellte die Augenärztin fest, dass er jetzt erst langsam trübe Augen bekommt und rechts einen beginnenden grauen Star hat. Ein Kompliment für diese Rasse!

Spaziergang im Wald

 

Den Erfolg der Desensibilisierung setzt aber auch voraus, dass man andere Kriterien ebtl. noch behebt. Zum Beispiel die Futtermilbe. Am Anfang haben wir auf Anraten der TAe das Trockenfutter in die Gefriertruhe gelegt (mind. 48 Stunden). Damit sollte zum Beispiel deren Aktivität eingeschränkt werden. Jedoch verhindert man damit nicht die Aufnahme des Kots der Futtermilbe, der ja leider entsteht. Durch diese Thematik kam ich automatisch auf das "BARFEN" = Biologisch artgerechte Fütterung.

In diesem Zeitraum hatten wir uns grade auch eintschieden einen 2. Border anzuschaffen und dachten uns, dass es auch für einen Welpen nicht schlecht sein könnte, artgerechtes Futter zu verspeisen. Sicher ist der Aufwand größer als die bequemen Futtertüten, aber zum jetzigen Zeitpunkt, der Welpe ist jetzt 1 1/2 Jahre alt und Keeper wird 15 Jahre alt, sehen wir, dass sich der Aufwand gelohnt har: die Allergie hat sich bei Keeper nicht verschlechtert, der Junghund sieht gesund und munter aus - das Fleisch, Gemüse und Obst schmeckt ihnen offentlichlich gut! Obwohl - da bin ich ehrlich - ein Border den Eindruck macht, als könnte er ständig fressen....  :)

Der Junior braucht den Senior

 

Ich habe mir angewöhnt, das Obst u. Gemüse selbst herzustellen und einzufrieren und diese Portionen auch für unterwegs in einer Kühlbox mit zu transportieren, als wenn es unser eigenes Essen wäre. In Deutschland gibt es jetzt auch schon jede Menge Geschäfte, die das entsprechende Fleisch verkaufen - frisch und eingefroren. Bei der Suche ist das Internet ein hilfreiches Medium.

Mit knapp 13 Jahren begann ein weiteres Altersproblem. Da Keeper nicht kastriert ist, begann sich die Prostata zu melden. Das Äußert sich mit beginnendem Tröpfeln und dezenter Inkontinenz durch eine Blasenentzündung. Die Prostata schwillt aufgrund einer Entzündung an und beginnt zu bluten, wobei das Blut über den Urin ausgeschieden wird. Dieses Problem muss meistens mit einem Antibiotikum zuerst behoben werden. Einer "aktiven" Kastration haben wir aufgrund des Alters nicht mehr zugestimmt. Wir haben uns für die "chemische" Kastration mit dem 1/2 Jahreschip entschieden und bereuen da bis heute nicht. Er hat jetzt zwar schon den 2. Chip bekommen, aber dafür musste er nicht die Risiken einer Operation auf sich nehmen und die Prostata hat sich super erholt. Der Chip hat auch noch einen Vorteil: wer seinen Hund auch nur vorübergehend "inaktiv" haben möchte kann das unbedenklich tun. Nach dem Abklingen des Chips besteht wieterhin die Möglichkeit, dass ein Rüde zeugungsfähig ist und weitaus mehr Spermien produziert als vorher! (Nachweis durch die FU für Veterinärmedizin/Abt. Fortpflanzun). Dafür gibt es jetzt auch schon einen 1-Jahres-Chip.

Das (leider) einzige Begleitproblem, dass sich auch mit der chemischen Kastration nicht vermeiden lässt, ist die Gewichtszunahme. Trotz ausgiebiger Laufstrecken und eingeschränktem Futter (damit ist nicht die Menge, sondern die Inhaltsstoffe gemeint, also sog. Seniorkost mit angepassten Fetten, Eiweiß etc.) hat unser Keeper leider doch zugenommen. Die Verstoffwechselung ist eben auch wesentlich langsamer geworden.

 

Mittagsschlaf mit Junior

 

Am auffälligsten sind auch die Schlafphasen. Je älter der Border wird, umso länger sind seine Ruhe- und Schlafphasen. Wenn man davon ausgeht, dass ein Hund generell 17 Stunden Schlaf "braucht", ist es beachtlich, wie aufgedreht Keeper ist, wenn wir im Wald laufen - dann sieht es so aus, als wenn er nicht aufhören möchte zu laufen...

Da Keeper in seinem langem Leben ständig in meinem Beruf mit tätig war und seine Prüfungen zum Therapiebegleithund mit Bravour gemeistert hat, hat diese "Arbeit" in jung erhalten.

Man merkt es an den Wochenenden, wenn wir keine Patientenbesuche machen, dass er leicht "dement" wirkt: er läuft, bleibt stehen, als wenn er vergessen hat, was er eigentlich grade machen wollte. Man muss ihn vorsichtig antippen, da er auch nicht auf Ansprache reagiert, obwohl er noch nicht taub ist! Um hier etwas gegenzusteuern bekommt er morgens eine Tablette Karsiwan 50 mg (Durchblutungsförderung für das Gehirn) und hat sich unter dieser Medikation wesentlich gebessert. Diesen Zustand kann man nicht aufhalten - stellen wir uns bitte vor, das 15 Hundejahre gleich 80 Menschenjahre bei dieser Hundegröße bedeuten!

Seit dem Winter wird leider die Atmung etwas schwerer im Schlaf und wir haben feststellen müssen, das die Allergie auch zu einer chronischen Bronchitis geführt hat. Um ihm das Atmen zu erleichtern gibt es jetzt auch schon "Hundenasenmasken", mit denen man Medikamente vernebeln u. inhalieren kann. Ich betone, es geht hier um Erleichterung - nicht um eine lebensverlängernde Maßnahme!

Zusammenfassend möchte ich sagen, was dem alternden Hund gut tut und was er evtl. braucht:

Im Winter ein wärmendes Cape, weil die Flexibilität der Muskulatur und Gelenke nachlässt. Auch bei starkem Regen ist ein Cape angebracht und zu Hause gut abrubbeln - fördert auch die Durchblutung.

Warmes und weiches Schlaflager.

Pfotenpflege - wie allgemein bekannt - die Pfotenpolster werden schneller trocken.

Dem Alter angepasste Ernährung! Mit angemessenem Gewicht wird auch ein Hund wesentlich älter...

Krallenpflege - da mit zunehmender Bewegungseinschränkung die Krallen sich nicht mehr normal abnutzen, sollten sie regelmäßig gekürzt werden. Auf verbogenen Krallen läuft ein Border gar nicht mehr vor Schmerzen.

Gute Zahnpflege - weiterhin!

Angemessene Medikationen, zur Verbesserung der Lebensqualität - nicht zum Halten eines "Altersrekordes"! Ein Border mit Krebs hat auch das Recht auf einen ehrwürdigen Tod...

Wir trimmen immer noch von Hand, es tut ihm nicht weh und zu langes Haar bei Border nutzt ihm nicht allzu viel - er friert damit mehr, als mit kurzem Outfit...

Alt und Jung auf dem Trimmtisch

 

Streckenläufe mit vielen Pausen - evtl. auch einen Hundebuggy für die Rücktour

Viel Abwechslung mit Mensch und Hund, den Alten immer mit einbeziehen. Ein Welpe hat unserm Alten gut getan! Nur Spielen mochte er nicht so gern mit ihm...

Dabei sein - gemeinsam in der Autobox

 

Physiotherapie - wer es sich leisten kann, sollte seinen Hund damit verwöhnen und diese Abwechslung gönnen, er wird es uns ewig danken! Keeper freut sich immer sehr, wenn ich ihn dort hinbringe und fit wieder abhole!

Mit beginnenden muskulären- und Gelenkproblemen sollte der Border auf keinen Fall mehr aus dem Auto springen oder Treppen steigen. Die Gefahr, sich dabei zu verletzen steigt im Alter extrem an.

 

Fazit:

Sie begleiten uns ein Leben lang und geben uns alles was sie haben - grenzenloses Vertrauen & Treue! Dafür dürfen wir sie nie im Stich lassen, auch wenn es uns schwerfällt loszulassen...

 

Gabi Richardt-Pistor mit Keeper & Jack aus Berlin

Berlin, im April 2013